ÜBERSICHT MIT BEISPIELEN
Zwei Zugänge: MCP oder Computer Use?
Was du danach hast: eine Entscheidungsregel für jedes Werkzeug in deinem Alltag: Soll die KI es über eine Funktion (MCP) oder über die Oberfläche (Computer Use) bedienen? Dazu sechs durchgerechnete Beispiele und die Kontrollfragen, bevor du eine Anbindung freischaltest.
Die Regel in einem Satz
Gibt es für die Aufgabe eine Funktion, nimm sie. Fehlt sie, bleibt die Oberfläche. Eine Funktion wird direkt aufgerufen. Die KI muss nichts suchen, nicht klicken und nicht raten, wo der Button ist. Die Oberfläche ist der Umweg, den sie nur gehen soll, wenn es keinen direkten Weg gibt.
Was die zwei Zugänge sind
MCP: der Standardstecker
MCP steht für Model Context Protocol, einen offenen Standard, mit dem KI-Anwendungen wie Claude oder ChatGPT an externe Systeme angeschlossen werden: Datenquellen, Werkzeuge, Abläufe. Man kann es sich wie einen USB-C-Anschluss vorstellen: eine Buchse für alles. Ein Anbieter stellt einen MCP-Server bereit, der seine Funktionen als Werkzeuge anbietet. Die KI-App verbindet sich damit und ruft die Funktionen auf. Was der Server nicht anbietet, kann die KI auf diesem Weg nicht tun.
Computer Use: die KI am Bildschirm
Die KI bekommt Screenshots und steuert Maus und Tastatur. Sie sieht sich den Bildschirm an, erkennt das Ziel, klickt und prüft das Ergebnis, immer wieder, bis die Aufgabe erledigt ist. Das funktioniert mit jedem Programm, das ein Mensch bedienen könnte. Anthropic und OpenAI nennen dieselben Grenzen: langsamer als ein Mensch und nicht fehlerfrei beim Treffen von Koordinaten. Nutze es für Aufgaben, bei denen Tempo nicht entscheidend ist, und in einer abgesicherten Umgebung.
Sechs Beispiele aus dem Marketing-Alltag
| Aufgabe | Gibt es eine Funktion? | Zugang |
|---|---|---|
| Text in einem Canva-Design ändern | ja — Canva-MCP „Design editing“, Editing-Transaktionen auf allen Plänen | MCP |
| Canva-Design als PDF/PNG exportieren | ja — export-design, alle Pläne (Pro-Qualität nur ab Pro) | MCP |
| Design auf ein anderes Format bringen | ja — resize-design, aber nur Pro und höher | MCP, sonst Oberfläche |
| Marken-Vorlage automatisch befüllen | ja — autofill-design, aber nur Enterprise | MCP nur im Enterprise-Plan, sonst Oberfläche |
| Eine Einstellung in einem Tool ohne API ändern | nein | Computer Use |
| Formulare in einem alten Kundenportal ausfüllen | nein | Computer Use |
Die Regel hat zwei Bedingungen: Die Funktion muss existieren und für dich freigeschaltet sein. Bei Canva hängen einzelne Werkzeuge am Plan, und was ein Konto über MCP tun darf, entspricht seinem Zugriff auf das Design.
Bevor du eine Anbindung freischaltest
- Werkzeugliste lesen, nicht die Werbeseite (Canva: canva.dev/docs/mcp/tools)
- Plan prüfen: Ist die Funktion in deinem Tarif enthalten?
- Zugriff prüfen: Hat das verbundene Konto Bearbeitungsrechte?
- Ratenlimit kennen: bei Canva 20 bis 100 Aufrufe pro Minute je Werkzeug
- Computer Use nie mit dem Hauptkonto: Nutze eine eigene Umgebung ohne Zugangsdaten. Folgenreiche Schritte bestätigt ein Mensch.
Die häufigste Fehlentscheidung
Die Oberfläche nehmen, weil sie sichtbar ist. Man sieht die KI klicken, das beeindruckt. Gibt es die Funktion aber längst, ist das der langsamere Weg mit mehr Fehlern. Frag deshalb zuerst: „Gibt es dafür einen Aufruf?“ Erst wenn die Antwort nein ist, ist Computer Use die richtige Wahl.
Der Prompt, mit dem du das jedes Mal klärst
Aufgabe: [Aufgabe, Werkzeug]. Prüfe mit Quelle und Link, ob das Werkzeug dafür eine Funktion anbietet (offizieller MCP-Server, API, Connector): 1 Gibt es sie? Für welchen Plan? 2 Welche Rechte braucht das Konto? 3 Wenn nein: eignet sich Computer Use (nicht zeitkritisch, abgesicherte Umgebung, keine Zugangsdaten)? Empfiehl einen Zugang in zwei Sätzen.
Merksatz
Frag erst nach dem Aufruf, dann nach dem Klick.
